Unsere Chronik

Stand: 1989 (75.Jubiläum)
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  • In Zeitbildern aus 75 Jahren im Dienst am Nächsten soll unsere kleine Chronik in Wort und Bild erinnern. Vorab sei bemerkt, dass unsere Chronik nicht den Anspruch absoluter Vollständigkeit erhebt. Wenn wir in diesem Jahr, zu Recht mit ein wenig Stolz, unser 75. Jubiläum feiern, schlagen wir das Buch unserer Feuerwehr - Geschichte auf. Es ist ein nicht unwesentlicher Teil der Geschichte unserer beiden Dörfer:
  • Vor genau 82 Jahren gab es Krach um eine Spritze und damit begann eigentlich unsere nunmehr historische Geschichte. Verärgerte Bürger legten am 12. März im Jahre 1907 auf einer turbulent geführten Wedelheiner Gemeindeversammlung mit 47 zu 74 Stimmen ihr Veto gegen die beabsichtigte Anschaffung einer Handspritze ein. "Um eine Spritze anzuschaffen, dafür sei doch unser Dorf viel zu klein", erbosten sich anno dazumal Bürger und brachten den neumodischen "Firlefanz" zu Fall. Ferner sei die Gemeinde finanziell nicht gut dargestellt und außerdem könne man zur Bedienung der komplizierten Spritze kein Personal finden. Überhaupt war man auch der festen Meinung, die bewährten Feuereimer, Feuerhaken und Leitern täten es auch und würden auch weiterhin gute Dienste leisten. Man vertrat weiter die Ansicht: Anstatt mit einer "Spritze" könne man mit Wassereimern durch die weitauseinander liegenden Anwesen sowieso mehr ausrichten. Dieses "neumodische Ding" verursache darüberhinaus noch mehr Schäden. Kurzum, das vom Beigeordneten Ahrens beglaubigte historische Schriftstück ging als Bittschrift zur zuständigen Behörde, um dieses Vorhaben "zu dispensieren". Der spritzige Fall war damit zunächst vom Tisch. Nicht jedoch der Gedanke, in beiden Dörfern eine " Feuerlösch - Dienstleistung" einzuführen. Gut Ding braucht eben Weile.
  • Denn erst sieben Jahre später - genau am 1.März 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges - gründeten beherzte Männer um den ersten Wehrführer, Hauptmann und Brandmeister - in einer Person - Hermann Krakau (Wedesbüttel) - und später Hermann Plate aus Wedelheine - die Freiwillige - Feuerwehr - Wedesbüttel - Wedelheine. Eine erste Satzung wurde erstellt. Dazu musste auch eine in Rechnung gestellte, 1176 Mark teure pferdegezogene Feuerspritze her. Eine noch heute existierende Rechnung vom Spritzenverband belegt die erste Anschaffung. Auch das erste Spritzenhaus mit Schlauchturm konnte in Wedesbüttel errichtet werden. Einen geeigneten Bauplatz stellte der damalige Gutsherr von Schwartz von Martinsbüttel kostenlos zur Verfügung. Eigentlicher Auslöser zur Gründung einer "ordentlichen Feuerwehr" war ein Großbrand auf dem Gehöft von Heinrich Ahrens in Wedelheine. Die Brandbekämpfung mit Eimerketten gelang nur mit zur Hilfe gerufenen Nachbarwehren aus Meine und Essenrode. Der erste Weltkrieg beeinträchtigte den Übungsbetrieb der Wehr sehr stark.
  • Mit Wilhelm Elbe aus Wedesbüttel kam 1923 ein neuer Hauptmann an die Spitze der Wehr. Im Blick zurück sind nur noch historische Zeugnisse aus den Gründerjahren in protokollarischer Form vorhanden. Erste kurze handschriftliche Aufzeichnung aus dem aktiven Feuerwehrleben sind erst vom 25.Oktober 1924 an im Protokollbuch zu finden. Als verantwortlich für das fein säuberlich in deutscher Schrift und Wortwahl geführte Schriftgut, zeichnete der langjährige Schriftführer und 1942 zum Haupttruppmann und Hilfspolizeibeamten beförderte Gründer Walter Köstel. Auffallend hier schon die hohe Mitgliederzahl bei Versammlungen, die auch in den vielen weiteren Jahren kontinuierlich anhielt und einen Beweis für eine starke Gemeinschaft bedeutete. Alle Mitglieder erschienen in maßgeschneiderten und selbstfinanzierten Uniformen. Als sehr trennend wurde der Bau des Mittellandkanals Ende der 20. Jahre für Wedesbüttel - Wedelheine empfunden. Gerade in dieser Zeit und den folgenden Jahren wurde die Feuerwehr zu einem wichtigen Bindeglied im Dorfgemeinschaftsleben beider Gemeinden.
  • Eine eigene Feuerwehrkapelle konnte 1925 mit 11 Kameraden ins Leben gerufen werden. Ende der 50er Jahre löste sich die Kapelle auf.
  • Von 1933 bis Kriegsende übernahm Feuerwehrhauptmann Willi Blecker aus Wedesbüttel die Führung der Wehr. Rund 40 Mitglieder konnte man in Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Wedesbüttel - Wedelheine über die Jahre des 2. Weltkrieges bis 1946 zählen. Die Alarmierung erfolgte noch über Signalhörner. Nach dem Krieg besorgte dies die Wedesbütteler Luftschutzsirene. Später wurde die Sirene vom Bürgermeisterhaus der Familie Bauermeister auf den Wedesbütteler Schlauchturm umgesetzt.

  • Im Nachkriegsjahr 1948 wurde Johann Tomalla (Wedesbüttel) in das Ehrenamt eines Gemeindebrandmeisters gewählt. Mit ihm an der Spitze begann 1949 für die Freiwillige Feuerwehr eine neue Blütezeit. Als erstes Fest nach den Kriegsjahren wurde das 35 jährige Jubiläum groß gefeiert. Nach einem Brand bei Reinhold Janze in Wedesbüttel, wurde eine neue "motorisch angetriebene Tragkraftspritze TS 8" komplett mit Transportanhänger, einem Standrohr und einem C-Strahlrohr zum Preis von 1,800 Mark gekauft. Damit trug man auch den gewachsenen Anforderungen des Brandschutzes Rechnung. Von diesem Zeitpunkt an, blieb auch der Monatsbeitrag von nur einer Mark für aktive Mitglieder über die nachfolgenden Dienstjahren immer konstant. Die stetige Bereitschaft der Feuerwehrmänner in den blauen Röcken beschrieb treffend Brandmeister Johann Tomalla mit einem Vierzeiler:

"Wüten die Flammen in deinem Haus,
dann rufst Du nach Gott und der Feuerwehr aus.
Ist aber gelöscht das Flammenmeer,
dann pfeifst Du auf den lieben Gott und die Feuerwehr!"

  • Mit Willi Wentzel wurde 1962 ein neuer Gemeindebrandmeister gewählt.
  • Zum 50 jährigen Jubiläum im Jahre 1964 wurde der Wehr das erste Löschfahrzeug (TSF) mit Staffelbesetzung (6 Feuerwehrmänner) übergeben. Dadurch wurde die Schlagkraft wesentlich verbessert, denn es konnte noch schneller Hilfe geleistet werden. Beide Ortschaften nahmen an diesem besonderen Ereignis rege Anteil.
  • Eine Jugendfeuerwehr wurde 1968 gegründet.
  • Aus den Reihen der Feuerwehrkameraden wurde dann Ernst Lütge 1970 zum Ortsbrandmeister gwählt. Zehn Jahre hatte der heutige Kreisbrandmeister dieses Amt inne.
  • Mit viel Schwung wurde 1974 im großen Rahmen das 60. jährige Bestehen gefeiert. Zum Jubiläum konnte auch ein Hilfsleistungslöschfahrzeug (HILF) mit kompletter Löschausrüstung und schwerem Atemschutzgerät als Ersatz für das 1964 angeschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug übernommen werden. Es war das erste Fahrzeug überhaupt, das von der neuen Samtgemeinde Papenteich an eine Wehr nach der Verwaltungs- und Gebietsreform übergeben werden konnte.
  • In vielen Stunden Eigentleistung aller Kameraden wurde das neue Feuerwehrgerätehaus am Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Wedelheine geschaffen. 1978 erfolgte der Umzug in die neuen Gemäuer.
  • 1980 wurde Erst Bührmann zum Ortsbrandmeister gewählt. Aufgrund der vielfältigen Anforderungen wurde eine einsatzbezogene Ausbildung in die Theorie und Praxis betrieben und die Ausrüstung ergänzt und verbessert.
  • Stets gut besuchte Versammlungen, Gruppendienste und Kommandositzungen runden das aktive Leben in der Wehr ab. Ein sichtbares Zeichen für den Stellenwert der Feuerwehr sind die traditionellen Feuerwehrbälle, die Fahrten ins Blaue, sowie die Oster- und Lagerfeuer als alljährliche Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben beider Orte am Mittellandkanal. Voll bei der Sache ist man natürlich auch in der Pflichterfüllung eines randvollen Dienstplanes, auf Lehrgängen sowie bei Wettkämpfen.
  • Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Wenn sich auch in mehr als 7 Jahrzehnten vom Löscheimer zum Löschfahrzeug ein enormer technischer Wandel vollzogen hat, geblieben ist der alte Kameradschaftsgeist, der die vergangenen Leistungen erst möglich gemacht hat. Der oft zitierte Wahlspruch: "Einer für Alle - Alle für Einen" und damit "Gott zu Ehr, dem Nächsten zur Wehr", hat noch nichts von seiner Aussagekraft verloren.

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Startseite erstellt am 11.02.2006
Quelle: 75.Jubiläumsheft
(8.-10. September 1989)