Pressespiegel 1993



 

Braunschweiger Zeitung, 2. August 1993

Plötzlich ein Knall, und das Licht ging aus

Zelt wie Kartenhaus zusammengebrochen

WEDELHEINE. "Für einen Moment dachten wir, die Welt geht unter. So plötzlich und dramatisch brach alles über unseren Köpfen zusammen. Unser einziger Gedanke war, so schnell wie möglich ins Freie zu kommen."
Ralf Röder, Vorsitzender des Schützenvereins Germania Wedelheine/Wedesbüttel, steckte noch am Sonnabend Vormittag der Schrecken in den Knochen. Mit ihm hatten am Freitag Abend rund 100 Mitglieder und Gäste im Festzelt eine Gewitternacht erlebt, die mit einem Schlag dem Königsball ein Ende setzte.
Der Rundschau schilderte Ralf Röder seine Eindrücke: "Etwa zehn Minuten vor Zehn gab es plötzlich einen Knall, das Licht ging aus und wir spürten, wie sich der Bretterboden unter unseren Füßen erhob und wir regelrecht fortgetragen wurden. Es knackte und krachte im Zelt. In der Aufregung hörten wir noch die Rufe des Zeltverleihers, das Zelt sofort zu verlassen, da es einzustürzen drohe. Draußen wurden wir dann von einem kräftigen Hagelregen empfangen, der unsere Kleider im Nu durchnäßte."
Inzwischen sei auch das Zelt wie ein Kartenhaus zusammengebrochen, berichtete Röder weiter. "Unsere Sorge galt jetzt möglichen Verletzten. Es stellte sich heraus, daß drei Personen Platzwunden und Prellungen davongetragen beziehungsweise einen Schock erlitten hatten. Ein Schütze mußte ins Krankenhaus gebracht werden."
Röder zeigte sich in diesem Zusammenhang von dem besonnenen Verhalten der Festteilnehmer beeindruckt: "Trotz des Durcheinanders und der Schrecksekunden ist keine Panik ausgebrochen. Jeder versuchte, den anderen Hilfe und Beistand zu gewähren."
Auch Kreisbrandmeister Ernst Lütge, der in Wedelheine wohnt und beim Feiern dabei war, sagte zur Rundschau: "Ich bin richtig stolz auf meine Mitbürger. Sie haben eine ernste Situation beispielhaft gemeistert und Gemeinsinn bewiesen. Das wird uns noch weiter zusammenführen."
Lütge sprach auch den Feuerwehren Wedelheine und Meine sowie dem Rettungsdienst Lob und Anerkennung aus. "Wenn man berücksichtigt, daß die Hilfsfahrzeuge sich auf dem Weg zum Festplatz erst noch eine Bahn durch umgestürzte Bäume und heruntergefallene Äste brechen mußten, dann wurde hier schon Beachtliches geleistet", hob er hervor.
Als Ursache des Unglücks wird eine Windhose vermutet, die mit hoher Geschwindigkeit über Wedelheine inmitten der Gewitterfront hinwegfegte und Spuren durch abgeknickte Baumkronen hinterließ.
Zeltverleiher Reinhard Sonntag aus Braunschweig beziffert seinen Schaden auf rund 30000 Mark, denn das 600 Quadratmeter große Festzelt habe nur noch Schrottwert. Der Sturm sei so mächtig gewesen, daß er daumendicke Drahtseile zerriß und die Aluminiumträger wie Streichhölzer umknickten.
Da kein großer Schaden an Leib und Leben der Festteilnehmer zu beklagen gewesen sei, beschloß der Vorstand des Schützenvereins am Sonnabend Vormittag während einer Krisensitzung, das Fest in Wedelheine fortzusetzen. Ralf Röder: "Unsere Schützengemeinschaft hat sich durch das Unwetter nicht unterkriegen lassen. Wir wollten deshalb unsere Feierlichkeit nicht abrupt beenden".
So wurde am Sonnabend Abend im Dorfgemeinschaftshaus mit Tanz und guter Unterhaltung weitergefeiert. Auch beim Katerfrühstück am Sonntag Vormittag sorgte das Ereignis noch für reichlich Gesprächsstoff.

wp

Herabgestürzte Äste beschädigten auch geparkte Autos, wie unser Bild aus Wedelheine zeigt.

Zeltverleiher Reinhard Sonntag kann es noch immer nicht fassen, mit welcher Wucht das Unwetter sein Zelt zerstörte und Aluminiumträger wie Wachskerzen verbog.

    Fotos: Poggendorf

[Inhalt]


 

Braunschweiger Zeitung, 2. August 1993

Unwetter hielt Bürger und Feuerwehren in Atem    (zweiter Bericht)

Regen, Hagel und Sturm verursachten erhebliche Schäden im Südkreis

Etwa 40 Millimeter Niederschlag je Quadratmeter prasselten am Freitag Abend in nur zwei Stunden auf weite Teile des Landkreises Gifhorn nieder. Die drohende Gewitterfront, die sich schon am Nachmittag durch dunkle Wolken und steigenden Temperaturen angekündigt hatte, entlud sich wie ein Sturzbach. Regen, Hagel und Sturm verursachten erhebliche Schäden in der Natur und an Gebäuden. Feuerwehren waren ständig im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und vollgelaufene Keller leer zu pumpen.
Die Rettungsleitstelle in Gifhorn konnte schon kurz nach Beginn des Unwetters, etwa gegen 22 Uhr, nicht mehr alle Hilferufe bewältigen, so zahlreiche kamen die Anrufe an. Die Straßen waren schnell überflutet und die Kanalisation mit den Wassermassen überfordert. Vielfach wurden Keller unter Wasser gesetzt. Die Feuerwehr in Gifhorn beispielsweise rückte in der Nacht zu mehr als 40 Einsätzen aus.
Die meisten Bürger behoben den Schaden, oft unterstützt von hilfsbereiten Nachbarn, aber selbst. Mit vereinten Kräften ging man ans Werk. "Wir haben aus unserem Keller rund 120 Eimer Wasser geschöpft und waren dabei nicht einmal übelgelaunt, weil uns die Gemeinschaftsarbeit motivierte", gab eine Hausbesitzerin an.
In Groß Oesingen schlug ein Blitz in das Dachgeschoß eines Zweifamilienwohnhauses ein und verursachte einen Brand. In Wedelheine wurde außer der Zerstörung des Festzeltes die Trafostation durch einen Blitzschlag außer Betrieb gesetzt. Der Ort war dadurch für Minuten ohne Strom. In Weyhausen stürzte ein Baugerüst zusammen. Sturmböen knickten zahlreiche Bäume um, die teilweise Fahrbahnen versperrten.
Das Gewitter am Freitag Abend erfaßte das gesamte Kreisgebiet, wobei der Schwerpunkt im Süden lag. Von Schwülper kommend bis Weyhausen erstreckte sich ein breites Band von heftigen Regengüssen und Sturmböen, das die Bevölkerung und die Feuerwehren in Atem hielt, berichtete Kreisbrandmeister Ernst Lütge auf Anfrage. Er bat um Verständnis dafür, daß die Feuerwehren nicht allen Hilferufen nachkommen konnten.
"Nach meinen Beobachtungen haben viele Bürger sich aber gar nicht erst auf die Feuerwehr verlassen, sondern beispielhaft selbst Hand angelegt, um sich aus der mißlichen Lage zu befreien", lobte er.

wp

[Inhalt]


 

Aller-Zeitung, 2. August 1993

Drei Menschen in Wedelheine bei schwerem Unwetter leicht verletzt

Festzelt umgeweht (von Peter Chavier)

Wedelheine/Wedesbüttel. Sintflutartige Regenfälle, starke Gewitter und Sturmböen von mehr als 80 Stundenkilometern wirbelten in der Nacht zum Samstag vor allem den südlichen Teil des Landkreises durcheinander. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von mehreren hunderttausend Mark. Am schwersten traf es dabei die Ortschaft Wedelheine. Hier wurde während des Kommerses beim Schützenfest das Festzelt umgeweht. Drei Personen wurden leicht verletzt. "Wie durch ein Wunder ist nicht mehr passiert", so Kreisbrandmeister Ernst Lütge, der den Einsatz vor Ort selbst leitete.
"Alles geschah innerhalb von Minuten. Es blieb keine Zeit mehr", schilderte Festwirt Reinhard Sonntag die Geschehnisse vom Freitag Abend. Kurz nach 22 Uhr kündigte sich durch Wetterleuchten ein Gewitter an. Heftiger Regen- und Hagelschauer folgten, so daß fast alle Besucher des Festzeltes in das Zelt flüchteten. Eine Sturmböe, die laut Aussage von Diplom-Meteorologen Bernd-Lothar Richter vom Wetteramt Hannover mit mehr als 80 Stundenkilometern über Wedelheine hinwegfegte, erfaßte das Zelt. Zu diesen Zeitpunkt befanden sich mehr als 100 Menschen darin. Die Aluminiumträger-Konstuktion brach zusammen. Durch die herabstürzenden Pfosten wurden drei Personen leicht verletzt. Sie erlitten laut Angaben der Gifhorner Polizei Rippenbrüche, Schnittwunden und Prellungen. Die Verletzten wurden in das Gifhorner Kreiskrankenhaus gebracht. Ein Aluminiumträger zertrümmerte die nagelneue Musikanlage der Band "Trio Sound".
"Wir konnten nur noch schreien: "Raus hier!, und dann wars schon passiert", erzählt der Festwirt. Rund 300.000 Mark Sachschaden seien das mindestens, so Reinhard Sonntag.
Ralf Röder, Vorsitzender des Schützenvereins Germania Wedelheine/Wedesbüttel ist froh, daß nicht noch mehr passiert ist: "Gott sei dank ist niemand schwer verletzt worden". Zwar sei das Zelt hin und die Uniformen der meisten Schützen durch das Unglück ruiniert, dennoch werde weiter gefeiert. Was die Wedelheiner und Wedesbüttler auch taten. Bei dem Einsturz des Zeltes sei die Trägerkonstruktion vor allem auf die Tische gefallen. Neben den drei Verletzten haben ein Mädchen auch einen schweren Schock erlitten. "Wie durch ein Wunder ist niemand erschlagen", stellt Ralf Röder nochmals erleichtert fest.
Im gesamten Dorf fiel bis kurz nach Mitternacht der Strom aus. Zahlreiche Bäume wurden umgeknickt und einige Dächer abgedeckt. Am Morgen nach dem Unwetter bot sich auf dem Festplatz ein Bild der Verwüstung. In strömendem Regen wurden von der Ortswehr erste Aufräumungsarbeiten vorgenommen. In der Nacht waren die Wehren aus Wedelheine und Meine sowie fünf Rettungswagen im Einsatz. Das Schützenfest wurde im Dorfgemeinschaftshaus fortgesetzt.

Ein Bild der Verwüstung: Völlig zerstört wurde in der Nacht zum Samstag das Festzelt auf dem Schützenplatz in Wedelheine. Eine Strumböe hatte das Zelt, in dem sich zum Zeitpunkt des Unglücks rund 100 Menschen befanden, umgeweht.

Foto: Peter Chavier

[Inhalt]


 

Aller-Zeitung, 2. August 1993

Dauereinsatz für die Feuerwehren

Wassermengen überfluteten zahlreiche Keller in Stadt und Landkreis

Landkreis Gifhorn (cha) Ein heftiges Gewitter mit starken Regenfällen und Sturmböen bis zu 80 Stundenkilometern ließen die Feuerwehren im Landkreis Gifhorn von Freitag Abend bis zum Samstag Nachmittag nicht zur Ruhe kommen.
Nach Auskunft eines Mitarbeiters der Einsatzstelle wurden mehr als 250 Einsätze im Kreisgebiet gefahren. "Wir haben irgendwann aufgehört, aufzuschreiben, welche Einsätze wo gefahren wurden", so der Mitarbeiter. Es sei einfach chaotisch gewesen.
Bei strömendem Regen mußten die Blauröcke zahlreiche Straßen freimachen, die von entwurzelten Bäumen blockiert wurden. Durch die Regenmassen liefen die Keller gleich dutzendweise voll und mußten leergepumpt werden.
"Alleine wir in Gifhorn haben bis jetzt 34 Einsätze gehabt", schilderte Ortsbrandmeister Wolfgang Scharfenberg die Lage am Samstag Nachmittag. Am stärksten betroffen gewesen sei wohl das Modehaus Becker. Hier lief das Wasser von einer abgeschrägten Einfahrt durch den hinteren Eingang in die untere Verkaufsetage. Zeitweise habe die Wehr auch nicht pumpen können, da das Kanalnetz einfach überlastet gewesen sei. Es seien wahre Sturzbäche gewesen, so der Ortsbrandmeister, die das Gewitter mit sich brachte.
Auch in den übrigen Teilen des Landkreises mußten zahlreiche Keller vom Wasser befreit werden. In Groß Oesingen verursachte vermutlich gegen 22.30 Uhr am Freitag ein Blitz den Brand der Dachspitze in einem Wohnhaus in der Zahrenholzer Straße. Hier sei geringer Sach- und Wasserschaden entstanden, meinte Groß Oesingens Ortsbrandmeister Jürgen Schulze. Die Bewohner hätten die Lage früh erkannt und die Feuerwehr habe schnell und umsichtig gehandelt.
Ebenfalls in Folge des Sturmes sei in Weyhausen gegen 22.50 Uhr ein Baugerüst umgestürzt. Verletzt wurde niemand. In Rethen wurden zwei alte Bäume, die als Naturdenkmal gelten, durch das Unwetter schwer beschädigt.
Der Sturm, so Kreisbrandmeister Ernst Lütge, habe wohl vor allem Meine und Wedelheine heimgesucht. Die Unwetterfront sei seiner Ansicht nach über Groß Schwülper, Rethen, Lagesbüttel, Meine hinüber ins Boldecker Land und dann über Parsau und Tiddische in Richtung Knesebeck/Wittingen gezogen.

Sturmschäden: Durch das Unwetter am Freitag Abend stürzten im Gebiet des Landkreises zahlreiche Bäume um. Hier an der B4 in Meine krachte ein Baum auf eine Straßenlaterne.

Foto: Peter Chavier

[Inhalt]


 

Startseite erstellt am 02.04.2010
aktualisiert am 29.07.2015
gesammelt von
Daniel Kahn