Pressespiegel 1990



 

Braunschweiger Zeitung,  24. Juli 1990

700 Jungen und Mädchen im Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren

Ein Nachthemd für den Kreisbrandmeister

Ehra/Lessien (rm). Die äußeren Bedingungen waren optimal für das 19. Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren Gifhorn, korrigieren mußten die Verantwortlichen sich nur in der Teilnehmerzahl. Zehn befreundete Wehren wurden aus dem Kreis Braunschweig sowie Oldenburg/Holzstein und drei aus der DDR zusätzlich eingeladen.
So konnte am Mittwoch der Kommandant des Truppenübungsplatzes Lessien, Hauptmann Elsner, als Hausherr 51 Jugendfeuerwehren willkommen heißen. Grußworte im Beisein vieler Kreis- und Stadtbrandmeister, Abschnittesleiter sowie Vertreter der Stadt richtete ebenfalls der stellvertretende Bundesjugendleiter und Bezirksjugendfeuerwehrwart Dieter Henze an die versammelten Wehren.
Nach einer kurzen Einweisung hieß es für die 29 mit der Lagerleitung betrauten Personen, über 700 Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren in acht Zeltdörfer zu je 90 Personen unterzubringen. Zelte mußten aufgebaut werden. Die einzelnen Gruppen staffierten ihre Lagerplätze mit originellen Namensschildern aus. Warme Bekleidung wurde umgeladen, Schlafplätze aufgebaut, Wachdienst eingeteilt, alles, was ein erster Tag Neues mit sich bringt, in Augenschein genommen. Besuche auch der einzelnen Zeltdörfer untereinander, die wie kleine Oasen in dem hügeligen Gelände unter Kiefern versteckt lagen. So manches Hallo erklang, als man auf befreundete Wehren stieß.
Da der erste Tag keine Essenausgabe vorsah, glimmten in der Dunkelheit bald überall die Grillfeuer. Selbstverpflegung hieß es an diesem Abend. "Das Grillen oder ein offenes Lagerfeuer überhaupt gestattet war", so erklärte Kreisjugendfeuerwehrwart Alfred Grapatin, Leiter des Lagers, "verdanken wir Hauptmann Elsner. Überhaupt," so fuhr Grapatin fort, "war die Zusammenarbeit sowohl mit den zivilen als auch militärischen Stellen und der Truppenübungsplatz-Feuerwehr schon beinahe freundschaftlich." Die einzige Zusage, die seitens der Kommandatur nicht eingehalten werden konnte, war die Benutzung der Küche, da die Aussiedler zu versorgen waren. So mußten täglich 24 Thermen in einem Gesamtgewicht von 1,7 Tonnen von den Jungen zum Essenszelt geschafft werden. Die Zeltbewirtschaftung lag in diesem Jahr in den Händen des Feuerwehrkommandos Gifhorn, deren Helfer einen Teil ihres Urlaubs opferten.
Dass viel Spiel und Sport, Wettkämpfe und Freizeitgestaltung angeboten wurden, versteht sich von selbst. So hatte die Lagerleistung einen Pendelverkehr zum Freibad nach Brome eingerichtet. Zwölf Gruppen waren dort ständig in verschiedenen Wettkämpfen beschäftigt. Beim Füllen einer simplen Badekappe mit Wasser wurde mit 300 Litern beispielsweise ein Record aufgestellt.
Auf dem Freigelände am Lager liefen zwischenzeitlich Spiele für die etwas jüngeren Kameraden ab, während die Älteren beim Volleyballspiel waren oder sich beim Sonnen dem Nichtstun hingaben. Traten dann und wann einmal leichte Blessuren auf: Das DRK Gifhorn und die Samtgemeinde Meinersen hatten die Betreuung übernommen.
Die Abende wurden bestimmt durch gemeinsame Aktivitäten. Da stand zum einen die "Mißwahl" der als Frauen verkleideten Jugendleiter an. Hier hatte sich Jugendfeuerwehrwart Uwe Hese sogar von seinem Bart getrennt. Es nützt nichts. Er mußte dem Betreuer aus Ahnsen, der als "Renate, die Rote" auf den Laufsteg kam, den Vortritt lassen. Beim "Wetten, daß" fiel der Kreisbrandmeister Ernst Lütge herein und mußte im Nachthemd auf der Bühne erscheinen.
Wer da glaubte, doch etwas verpaßt zu haben, konnte sich am nächsten Morgen über das Aktuellste in der Lagerzeitung informieren, die in jeder Nacht von Gemeindejugendfeuerwehrwart Peter Kunkel zusammengestellt wurde. Gerade die Wehren aus der DDR waren im übrigen vom gesamten Lager tief beeindruckt. Unter dem Motto "Auf, auf zur Jugendfeuerwehr" traf sich alles zur Abschiedsfete im Zelt. Am Sonntag ging es dann an die Lagerauflösung.
Ein letztes Frühstück, ein letztes gemeinsames Mittagessen. Zum letzten Mal erschien auch die Lagerzeitung, der "Zeltkreisel". Bis vier Uhr morgens hatten Peter Kunkel und sein Team an dieser letzten Gesamtausgabe gearbeitet.
Jetzt konnte nachgelesen werden, dass 4,2 Tonnen Essen ausgegeben worden waren und wer was wann und wo gemacht hatte. "Ein großer Erfolg, dieses Zeltlager", so drückte es Kunkel aus. "Bedauerlich nur, daß die Samtgemeinde Isenbüttel als einzigste unter etwas fadenscheinigen Gründen abgesagt hatte."
Den Abschluss bildete die Siegerehrung auf dem großen Freigelände. Noch einmal durften die Besten vor treten und ihre Auszeichnungen im Volleyball, den Wettkämpfen im Freibad oder dem Sieg bei der Lagerolympiade beziehungsweise beim ADAC in Empfang nehmen.

In idyllischer Landschaft "hausten" die Jugendlichen der Feuerwehren in ihren Zelten.

Foto: Mihulka

[Inhalt]


 

Startseite erstellt am 29.08.2007
aktualisiert am 10.09.2007
gesammelt von
Daniel Kahn