Pressespiegel 1974



 

Braunschweiger Zeitung, 26. August 1974

22 Jugendliche stehen "in Reserve" - Das Nachwuchsproblem ist bestens gelöst

Feuerwehr in Wedelheine-Wedesbüttel feiert 60. Geburtstag - Zwei Gründer geehrt

Wedelheine/Wedesbüttel. Eine echte Dorfgemeinschaft praktizieren seit 60 Jahren Wehrmänner in den beiden Dörfern links und rechts des Mittellandkanales. Der Brand eines Gehöftes im Frühjahr 1914, als man noch mit Wassereimern löschen mußte, hat die Gemeinsamkeit bewirkt. Das war vor 60 Jahren. Am Wochenende feierten die Männer der Freiwilligen Feuerwehr der beiden Dörfer Jubiläum, das mit einem Festkommers begann.
Im Festzelt am Kanal saß am Freitagabend die große Wehrfamilie aus beiden Dörfern zusammen. Viele Gäste waren darunter, die Ortsbrandmeister Ernst Lütge begrüßen konnte: Samtgemeindebrandmeister Hermann Möhle (Meine), Landesgeschäftsführer Karl Zipse (Essenrode), Kreis-Feuerwehrausschuß-Vorsitzender August Mohwinkel (Isenbüttel), Pastor Bornhak, Vertreter der Samtgemeinde, Nachbarverein und mit den Festgestaltern Männerchor Meine/Neudorf-Platendorf/Gifhorn, dem Feuerwehrmusikzug Meine und dem Jugendspielmannszug Hattorf auch die Ortsvereine aus beiden Dörfern.
Im Mittelpunkt standen vor allem die Ehrungen verdienter Wehrmänner. Allen voran die Gründer. Gekommen waren Ehrenbrandmeister Wilhelm Blecker und Walter Köstel. Sie erhielten für ihre Treue zur Wehr eine große Urkunde. Hermann Lehmann - er fehlte aus gesundheitlichen Gründen - wird diese Urkunde ins haus gebracht.
Darüber hinaus wurden 16 Mitglieder mit dem silbernen Ehrenabzeichen des Feuerwehrverbandes ausgezeichnet: Willi Ahrens, Hermann Blecker, Heinrich Ahrens, Willi Blecker, Gerhard und Rudolf Bockmann, Heinrich Bosse, Günter Fröhlich Heinrich Hinze, Hans-Erich Köstel, Heinrich und Erich Peier, Gustav Breihan, Willi Kopiske, Ewald Lütge, Hermann Niebuhr.
In einer Ansprache ging Ortsbrandmeister Ernst Lütge auf die Einsatzbereitschaft der 50 Mitglieder in der aktiven Abteilung ein. 80 Bürger gehören der Wehr an. "So stark sind wir noch nie gewesen", sagte der Ortsbrandmeister, der in seinen Worten auch auf die starke Jugendgruppe verwies, die seit sechs Jahren besteht und 22 Jungens vorweisen kann. Das Nachwuchsproblem sei damit bestens gelöst, ergänzte Ernst Lütge. Viele der Jungens aus den Anfängen gehören heute der aktiven Abteilung an.
Jede Unterstützung wird der Jugendwehr gegeben. Das haben die Jugends erkannt und revanchierten sich bei ihren Vorbildern auf ihre Art. Der jüngste, der fünfjährige Holger Holtze, überreichte Ortsbrandmeister Lütge einen Stammtisch-Ständer auf einem Holz angebracht, auf dem auch Strahlrohr, Pickel und der bewußte Sparschlitz nicht fehlten.
Heiterkeit und Frohsinn standen nach dem Festakt obenan, den der Männerchor unter Wulf Mertens, der Meine Musikzug unter Otto Dathan und Jugendwehrspielmannszug Hattorf musikalisch ausschmückten. Vor 60 Jahren war es anders. Das geht aus der Chronik der Wehr hervor, die der langjährige Bürgermeister Heinrich Bosse auszugsweise vortrug. Innerhalb weniger Wochen war nach dem Gehöftbrand 1914 eine Wehr gegründet. Bei der Uniformanprobe Ostern 1914 brannte es ein zweites Mal lichterloh im Dorf. Das letzte Riethaus ging in Flammen auf. Diese Tatsache bewirkte dann die schnelle Anschaffung einer Pferdespritze und den Bau eines Gerätehauses.
Diese Dinge waren den Gründern noch gut in Erinnerung. Wenn dann mal zu einem Einsatz nach Abbesbüttel gefahren werden mußte, passierte es aber auch, daß das Strahlrohr vergessen wurde, wußten sie sich noch zu erinnern. Hatten die Wedelheiner-Wedesbütteler Männer im blauen Rock 1914 dann Spritze und Gerätehaus, so wurden sie zum 50jährigen umgerüstet, modernisiert. Ein vergrößertes haus steht heute den Aktiven für ihre Gerätschaften zur Ausbildung zur Verfügung.
Vergessen war auch die Selbsthilfe 1948 nicht, als eine alte Wehrmachtsspritze aus dem Allerkanal gefischt wurde, ehe eben 1964 die Wehr mit zeitgemäßen Fahrzeugen und Löschgerät auf den notwendigen Stand gebracht wurde.
Nach einem gemeinsamen Frühstück am Sonnabendmorgen gehörte der Sonntag nachmittag den Kindern. Vorführungen der Wehr lockerten das Programm auf dem Festplatz auf. Und abends tanzten sie ausgiebig nach den Klängen der "Globetrotter".

Für die anwesenden zwei Gründer (von rechts) Walter Köstel und Wilhelm Blecker gab es nach 60 Jahren Wehrteu große Urkunden, die (von links) Ortsbrandmeister Ernst Lütge und Gemeindebrandmeister Hermann Möhle überreichten.

Die Überraschung war der Jugendwehr gelungen: für die Aktiven gab es vom jüngsten Wehrmann aus der Doppelgemeinde einen Stammtisch-Ständer mit Spritze, Pickel und einem Sparschlitz.

Foto (2): Förster

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Startseite erstellt am 16.08.2007
aktualisiert am 29.07.2015
gesammelt von
Gerd Köstel, Fam. Fröhlich