Ausarbeitung und Durchführung einer Übung

 

Eine ganz normale Feuerwehrübung....

Wir spielen einen Brandeinsatz mit Menschenrettung durch. Folgende Lage erwarten die Feuerwehrkameraden vor Ort: Brand im ersten Obergeschoss eines Wohnhauses!

Phase 1:
Der verantwortliche Übungsleiter besichtigt zunächst das Übungsobjekt.
Er sucht sich einen Raum, indem das Feuer (simuliert) sein wird und einen weiteren, indem eine Rettungspuppe liegen wird. Er beschließt den Zugang praxisnah durch ein bestimmtes Fenster vorzugeben und zwei Türen auf den Weg zu blockieren. Eine sinnvolle, kleine Übung, die an den Ausbildungsstand der Wehr angepasst ist und in richtigem Maß fordert und Selbstvertrauen schaffen soll.

Phase 2:
Der Gruppenführer spricht die Übung mit dem Wehrführer durch. Der Wehrführer ist einverstanden, aber am Treppenantritt (im OG) muss als Bedingung für die Übung ein Sicherheitsposten sein, da sonst der vorgehenden Trupp im Disconebel abstürzen könnte. Ob der Beobachter auch Atemschutz haben sollte, da er längere Zeit im dichten Nebel steht, sind sich beide nicht sicher und beschließen mal den Sicherheitsbeauftragten zu fragen.

Phase 3:
Der Sicherheitsbeauftragte weiß es auch nicht, aber empfiehlt im Zweifelsfall umluftunabhängigen Atemschutz für den Treppenposten. Da das nun ein Atemschutzeinsatz ist muss ein zweiter FA dabei sein, um einen Trupp zu bilden...und dann muss es natürlich auch einen Sicherheitstrupp geben, am besten einen unabhängigen, denn es könnte ja sein, dass der übenden Trupp zeitgleich bei der Übung ein Problem hat...sicherheitshalber weist der Sicherheitsbeauftragte noch darauf hin, dass es sehr gefährlich ist, im Rahmen einer Übung eine Fensterscheibe einzuschlagen. Seiner Meinung nach sollte man diese mit einer Folie abkleben.

Der Gruppenführer überlegt, wo er aus den 12 AGTs, die vermutlich zur Übung kommen werden, den Treppensicherheitstrupp und den Sicherheitstrupp für den Sicherheitstrupp, für den Treppensicherheitstrupp abzweigen kann und die Übung dann noch die kompletten Maßnahmen, einschließlich Belüftung, darstellen soll. Aber egal, es geht um Sicherheit! Sicherheit ist wichtig, wir kleben auch die Scheibe mit Folie ab!!!

Phase 4:
Der Sicherheitsbeauftragte verbringt inzwischen eine schlaflose Nacht darüber, ob man überhaupt Atemschutzübungen mit Disconebel in einem Haus abhalten darf, das gar nicht die normativen Anforderungen für Atemschutzübungsstrecken erfüllt. Verzweifelt ruft er am nächsten Morgen den städtische Sicherheitsfachkraft an und schildert ihm das Problem mit maximaler Betroffenheit und persönlicher Seelenqual. Die Sicherheitsfachkraft besorgt sich die entsprechenden Normblätter, einen Gebäudegrundriss, Sicherheitsdatenblätter des Disconebels und googelt über die Suchworte "Disconebel", "Asthma", "Atemwegstrauma", "PTSD" und weitere. Nach einer kurzen abschätzenden Rechnung kommt er zu dem Entschluss, dass er das Ganze befürworten kann, wenn ein Teil des Daches von Dachpfannen befreit und mit einer Plane abgedeckt wird, die in Verbindung mit den drei bereitgestellten Lüftern und der vorinstallierten, inneren Objektbeleuchtung mit Strahlern auf Stativen, dann in ca. 30 Sekunden das Objekt wieder in einen sicheren Zustand versetzen kann. Den Rest des Tages verbringt er damit, das Ganze aufzuschreiben und wilde Paragraphen aus dem STGB aufzulisten, die drastische Gefängnisstrafen bei Abweichung androhen.

Phase 5:
Am nächsten Tag ruft die Sicherheitsfachkraft noch den Kollegen beim GUV an, der auf die hohe physiologische Belastung bei solchen Atemschutzübungen hinweist und empfiehlt, einen RTW, einen Rettungssanitäter und einen Rettungsassistenten für den Fall der Fälle bereitzustellen, bzw. anzufordern.

Phase 6:
Der Wehrführer tut das, was ein Wehrführer tun muss: Er delegiert den ganze Kram, der sich zwischenzeitlich in seinem Mailpostfach angesammelt hat an den Gruppenführer weiter.  Die Mailflut konnte in drei Stunden abgearbeitet werden, dabei musste nach wichtig und unwichtig getrennt werden.

Der Gruppenführer, im Zivilleben ein wirtschaftlich, erfolgreicher Selbstständiger und Ausbilder für Lehrlinge fragt sich, ob Schweinegrippe auch gaga macht und er jetzt erste Fälle davon in der eigenen Wehr hat.

Aber egal, mit dem etwa 800-fachen Zeitaufwand, den er sonst für eine Übungsvorbereitung benötigt, kriegt er alles hin und kann zum entsprechenden Zeitpunkt die Übung laufen lassen.

Phase 7:

Die Übung läuft an. Der TF Atemschutztrupp kann auf der Leiter, die durch die Folienbeklebung verstärkte Glasscheibe nicht sinnvoll kaputthauen. Deshalb schlägt der Trupp die beklebte Scheibe rundherum aus dem Rahmen heraus. Das störrische Biest, will nämlich anders nicht nachgeben. Als er die letzte Verbindung dieses unseeligen, sicheren Übungsdingsdas durchschlägt, fällt es auf ihn drauf. Der Kamerad fällt von der Leiter und bricht sich, durch den starken Aufschlag, den Unterarm.

Phase 8:

Wehrführer, Sicherheitsbeauftragter und Sicherheitsfachkraft zum Gruppenführer: Wieso hast Du diese Gefahrenquelle nicht entschärft? Hast du denn kein Verantwortungsgefühl für DEIN Personal? Wieso hast du so was offensichtliches nicht Bedacht?


GUV-SiFa beim Lesen des Unfallberichtes: Gut dass ich dafür gesorgt habe, dass da ein RTW stand...

Phase 9:
Der Gruppenführer hat die Schnauze voll, verlässt die Feuerwehr und spielt stattdessen lieber Tischtennis. Die Wehr analysiert das Unfallgeschehen, streicht zukünftig solche gefährlichen Ausbildungsinhalte und macht stattdessen nur noch im Sommer eine Wasserentnahmestelle mit offenem Gewässer und im Winter Sicherheitsunterweisungen. Für dieses innovative Unfallverhütungsprogramm wird die Wehr im Jahr drauf vom Deutschen Feuerwehrverband als vorbildlich ausgezeichnet.


 

Startseite erstellt am 15.11.2009
Quelle: Internet (unbekannt)