Luftrettung

20. März 1999

Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie ein Rettungshubschrauber von innen aussieht - und das nicht erst im Ernstfall! Wir haben uns in Wolfenbüttel vor Ort umgesehen und informiert:

Hier steht der Christoph 30 auf seiner mobilen Plattform, auf der er mit einem elektrisch angetriebenen Motor in den Hangar heraus- oder hereingefahren werden kann. Das Schienensystem, auf dem die Plattform rollt, ist im Winter beheizt.

Wir befinden uns hier auf der Plattform vor dem Hangar, in Hintergrund sieht man einen Gebäudetrakt des Kreiskankenhauses Wolfenbüttel.

Frontansicht des Hubschaubers BO105 im Hangar. Die Flügeltüren sind im beheizten Hangar geöffnet, damit im Winter die medizinische Ausrüstung, insbesondere die Medikamente nicht zu stark abkühlen. An der Frontklappe sieht man den Stecker für die Außenbordbatterie, mit der der Hubschrauber angelassen wird, um die eigene Bordbatterie zu schonen.

Die Heckansicht des Hubschraubers. Die beiden Heckklappen können geöffnet werden, Dort wird der Patient auf der Trage durch einen Tunnel in den Hubschrauber geschoben, so dass er im Kopf- und Brustbereich vor dem Arzt liegt. Der Hubschrauber kann maximal 2 Personen liegend befördern.

Hier die Seitenansicht. Jeder Hubschrauber hat ein eigenes Kennzeichen. Wir sehen, dass dieser Hubschrauber D-HUPE heißt, wobei D für Deutschland und H für Hubschrauber steht. Die letzten 3 Buchstaben kann der Eigentümer wählen. Mit diesem Kennzeichen ist die Maschine in der Luftfahrzeugrolle des Luftfahrtbundesamtes eingetragen. Das rote Kreuz auf der Heckflosse symbolisiert für jeden erkenntlich, dass es sich um einen Rettungshubschrauber handelt. Es ist streng verboten, sich einem Hubschrauber, der in Betrieb ist, von hinten zu nähern, da der mit ca. 2500 Umdrehungen laufende Heckrotor eine absolut tödliche Gefahr darstellt. Im Hintergrund erkennt man eine Waschmaschine, daneben ein Waschbecken, welches dafür angeschafft wurde, um medizinisches Einsatzgerät nach dem Einsatz zu säubern (Waschen der Bezüge von Vakuummatratzen, Reinigung von Absaugpumpen oder Waschen verschmutzter Fliegerkombis, etc.). An der Hallendecke sind starke Strahler angebracht, um die Wartung des Hubschraubers bei Nacht zu gewährleisten.

Die rechte Seite des Hubschraubers. Die Flügeltür (Einstig des Piloten) ist geöffnet, der Pilotenhelm liegt erkennbar auf dem Sitz. Unmittelbar vor dem Pilotensitz sieht man einen kleinen, roten 1kg-Feuerlöscher, um im Notfall einen gerade entstehenden Brand zu bekämpfen. Über den Buchstaben A und D sind zwei Wartungsklappen. Hinter der vorderen befindet sich der Ölkühler und der Ölvorratsbehälter, die hintere Klappe ermöglicht den Zugang zum rechten Triebwerk. Ein Triebwerk leistet ca. 420 PS bei einer Umdrehungsgeschwindigkeit der Gaserzeugerturbine von ca. 51.000 Umdrehungen pro Minute und einer Umdrehungsgeschwindigkeit der Arbeitsturbine von ca. 6.500 Umdrehungen. Über der hinteren Wartungsklappe erkennen wir noch die beiden Abgasrohre des Triebwerkes.

Ein Blick von links auf das Cockpit. In der Mitte befindet sich das Instrumentenpanel. Auf der rechten Seite sehen wir den Steuerknüppel des Piloten. Vorne links steht ein Ordner mit Stadtplänen sowie einer Landkarte von der Umgebung Wolfenbüttels (Einsatzgebiet).

Hier werfen wir einen Blick von der linken Schiebetür in den Innenraum der Maschine zur medizinischen Ausrüstung. An der rückwärtigen Wand erkennen wir an einen Schienensystem befestigt einen Oxylog zur Beatmung des Patienten. Darunter befindet sich ein Gerät, welches dem Patienten aufgesetzt werden kann, um schnell ein EKG zu schreiben. Des weiteren ist ein Perfusor installiert sowie eine Absaugpumpe. Im oberen Staufach befinden sich zusätzlich Medikamente, die der Arzt während des Fluges schnell ergreifen kann. Im Vordergrund erkennen wir hängend einen Ambubeutel. Auf der Trage befindet sich ein Rucksack, der alle notwendigen Medikament und Infusionen enthält.

Jetzt sind beide Heckklappen geöffnet, auf der linken Trage liegt zusätzlich eine Vakuummatratze, auf der rechten Seite erkennen wir zwei Koffer, in denen transportables Beatmungsgerät und Medikamente verstaut sind. Die beiden viereckigen Platten an den Kufenenden sind ein Einsinkschutz, damit die Maschinen in weichem Gelände nicht einsinkt.

Noch ein Gesamtanblick des Innenraumes bei geöffneter Flügel- und Schiebetür. Der vordere Sitz ist mit wenigen Handgriffen um 180 Grad drehbar, so dass gegebenenfalls der Rettungsassistent dem Notarzt während des Fluges beim Patienten zur Hand gehen kann.

Der Hubschrauber steht jetzt komplett herausgefahren mit seiner Plattform im "Bahnhof", das heißt, dass wir hier eine ebene Fläche zwischen dem Gelände und der Hubschrauberplattform haben. Vorn an der Plattform erkennen wir einen silbernen Kasten, in welchem die Außenbordstromversorgung des Hubschraubers untergebracht ist. Beim Anlassen der Triebwerke wird die Stromversorgung extern zugeführt und so die Bordbatterie geschont. Der gelbe Kasten im Hintergrund ist die Tankanlage. Der Hubschrauber wird in der Regel nach jedem Einsatz neu betankt. Dazu lagern in einem unterirdischen Tank ca. 13.000 l Kerosin Typ Jet A1.

 

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